Interview mit Martin Rabl

Teil 1

Hallo Martin, schön dass Du dir die Zeit für ein kurzes Interview genommen hast. Ein Job in der Games-Branche ist für viele Leute ein absoluter Traum. Kannst Du uns erzählen, wie Du in die Computerspiele-Industrie eingestiegen bist und welche Tätigkeiten Du vor Deinem Job als Community Coordinator für Aion ausgeübt hast?

Erst einmal ein “Hallo” an euch und die Aion-Community. Ja, es ist in der Tat wie ein Traum, in der Computerspiele-Industrie zu arbeiten. Seit meiner Kindheit spiele ich Computerspiele, dachte aber nie ernsthaft daran, einmal die Chance zu bekommen, in die Branche selbst einsteigen zu können. Dies lag allerdings auch daran, dass ich nicht wusste, dass es in der Branche auch Jobs gibt, für die ich geeignet bin. Klar, ich konnte ein wenig programmieren, aber es hätte nie gereicht, um professionell ein Spiel zu entwickeln.


Der deutsche Mann für die Community-Betreuung: Martin “Amboss” Rabl

Bevor ich also meinen Weg zu NCsoft gefunden habe, habe ich erst einmal BWL mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studiert. Dabei auch Kontakt zu einem regionalen Softwareentwickler geknüpft und nach dem Studium dort angefangen, zu arbeiten. Mein Aufgabengebiet war die Koordination der Entwickler, Betreuung der Foren und somit auch das Sammeln von Feedback und die Ausarbeitung neuer gewünschter Features für das Programm.

Etwas mehr als ein Jahr später (Anfang 2005) lief ebenfalls die europäische Beta von City of Heroes und ich nahm daran teil. Das Spiel gefiel mir als alten Superhelden-Fan auf Anhieb und ich spielte es auch nach dem Launch mit Leidenschaft. Ich organisierte ein paar Events im Spiel und startete so etwas wie eine Art Boulevardzeitung zum Spiel im Internet. Zu dem Zeitpunkt war NCsoft Europe auf der Suche nach einem deutschen Community Coordinator für das Spiel und wurde durch die Zeitung auf mich aufmerksam.

Bis dahin habe ich irgendwie nie in diese Richtung gedacht, aber ja, ich muss ja gar nicht programmieren, um in der Spielebranche zu arbeiten. Ich musste für den Job zwar nach Brighton (England) umziehen, habe es nie bereut, diesen Schritt getan zu haben. Hinsichtlich des Jobs und der Stadt. Bis vor Kurzem habe ich also als Community Coordinator die deutsche Community von City of Heroes betreut, Mitte 2006 dann als Community Team Lead obendrauf das Community-Team für City of Heroes und City of Villains (dem Schwesterspiel von CoH) nach außen hin vertreten und die Kommunikation innerhalb des Teams gesteuert.

So sehr ich den Job und das Spiel auch mochte, wäre ich doch gerne von Anfang an beim Aufbau der Community eines Spiels mit dabei gewesen. Doch die Zeit kann man nicht zurückdrehen, also richtete ich die Augen nach vorne – und entdeckte Aion.

Screenshots und Videos weckten meine Neugierde, doch ich wollte mein geliebtes CoH ja nicht einfach wegen einem dahergelaufenem, schön aussehenden Spiel verlassen, es sollte schon etwas sein, was mich interessiert. In der Folgezeit habe ich mich dann über das Spiel informiert und war dann doch sehr von dem ganzen Szenario und den Ideen angetan. Da war sie also, die Chance eine Community zu gründen. Ich bewarb mich intern für Aion und bekam die Stelle als deutscher Community Coordinator.

Viele Ottonormalverbraucher können sich mit der Jobbezeichnung “Community Coordinator” vermutlich relativ wenig anfangen. Welche Tätigkeiten fallen in Deinen Aufgabenbereich und wie muss man sich einen normalen Arbeitstag in Deinem Leben vorstellen?

Ich glaube, viele Leute denken, dass man als Community Coordinator die meiste Zeit das Spiel spielt, und sich dann gegen Abend zwei oder drei Postings aus den Fingern saugt, die man dann an passenden Stellen ins Forum postet. Dem ist (leider) nicht so.

Das Aufgabengebiet eines Community Coordinators ist breit gefächert aber auch gerade deswegen ist der Job so interessant. Hauptaufgabe eines CC’s ist es, die Community zu informieren, den Entwicklern Rückmeldung (positiv wie negativ) zu geben und die Community aktiv zu halten.


Ein Blick auf die Aion-Insel im Büro von NCsoft Europe.

Der Morgen wird meistens für das Lesen von Emails und Foren verwendet, um sich erst einmal ausreichend zu informieren. Dann wird der Rest des Tages geplant. Gibt es eine wichtige Ankündigung, die man auf der Webseite oder in Foren machen muss? Hat man vielleicht andere interessante Artikel (Hintergrundinfo zum Spiel, Community-Events), die man den Spielern nicht vorenthalten möchte? Auf welche Threads in den Foren soll man antworten und muss man sich zur Beantwortung vorher noch Informationen holen? Gibt es Probleme und andere Abteilungen müssen schnellstens benachrichtigt werden? Gibt es Events in der Community, die man unterstützen sollte (z.B. durch Ratschläge oder Anwesenheit bei Real Life Treffen/Conventions)? Gibt es Interviews, die man geben sollte? Und vieles mehr…

Ist es relativ still, dann kann man immer noch pro-aktiv werden und so richtig die kreative Seite herauslassen. Man kann selbst ein tolles Event organisieren oder einen kleinen Wettbewerb auf die Beine stellen. Im Grunde haben wir sehr viel kreative Freiheit hier bei NCsoft Europe und die kann man durchaus nutzen. Natürlich muss alles im Budget bleiben und irgendwie Sinn machen (Ich hätte z.B. Schwierigkeiten, meinem Chef zu erklären, warum dieses Interview hier vielleicht besser persönlich auf den Bahamas hätte stattfinden sollen).

Ab und zu spielen wir dann aber auch…allerdings sehr viel weniger, als wohl jeder denkt. Dafür verwenden wir dann eher unsere Freizeit, denn im Idealfall sind wir ja auch selbst Fans unseres Spiels.

So gesehen muss man also als Community Coordinator sehr flexibel sein und auf unterschiedliche Situation angemessen reagieren können. Dazu gehören auch eine dicke Haut bei unzufriedenen Spielern und ein kühler Kopf beim Beantworten kniffliger Fragen. Außerdem muss man gut mit Menschen umgehen können, da man (abgesehen von den Spielern in den Foren) auch viel mit Leuten aus anderen Abteilungen (Support, Übersetzung, Marketing) oder sogar anderen Firmen (Entwickler, Publishing-Partner, Journalisten) zu tun hat. Da wir z.B. auch oft das Spiel vorführen müssen (z.B. Journalisten bei der Games Convention) ist es auch vorteilhaft, wenn man nicht gerade scheu ist. Aber so gesehen hat jeder von uns im Team hier seine Stärken und Schwächen. Die Kunst ist es, unsere Stärken richtig zu nutzen…

Bekanntlich ist Aion nicht der einzige Titel von NCsoft. Inwieweit arbeitest Du mit den anderen Community-Verantwortlichen Hand in Hand? Versucht Ihr erfolgreiche Konzepte generell auch auf andere Communities zu adaptieren oder wägt Ihr grundsätzlich ab, ob es sich für das spezielle Spiel überhaupt rentiert?

Wir arbeiten in der Tat sehr eng mit den anderen Community-Verantwortlichen zusammen. Das ergibt sich zwangsläufig, da wir im Büro direkt nebeneinander sitzen (ohne Trennwand oder so), vieles mitbekommen und dann (im Büro oder im Pub nach der Arbeit) Erfahrungen austauschen. Wir konnten viel lernen, seitdem NCsoft Europe gegründet wurde. Jedes der Community-Teams (City of Heroes, Guild Wars und Auto Assault) konnte gute und schlechte Erfahrungen sammeln, die wir bei neuen Projekten anwenden können. So half dem Guild Wars Team unsere Erfahrung mit früheren Real-Life-Treffen bei City of Heroes, als sie ihr großes Treffen im Februar dieses Jahres organisierten. Eine Woche später gab es dann noch mal ein City of Heroes Treffen in der gleichen Location wodurch wir gleich wieder ein paar Synergieeffekte hatten (um es ganz formell auszudrücken).

Was sich bei GW sehr bewährt hat ist z.B. das Fansite-Program. Für Aion planen wir ebenfalls ein ähnliches Programm und werden uns dabei am GW-Modell orientieren.

Wir haben auch Pläne für spielübergreifende Community-Events und arbeiten da eng zusammen. Viele dieser Ideen werden dann auch unter Umständen bei einem Drink nach der Arbeit geboren. Die englische Mentalität ist auch an uns Deutschen hier nicht spurlos vorübergegangen.

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