Elyos Kapitel 8 – Ein neuer alter Feind

Wir waren sprachlos. Wir waren sprachlos, weil wir nicht verstehen konnten, wie irgend jemand auf diesem verwüsteten, eisigen Ödland über uns überleben konnte. Wir waren sprachlos als wir sahen, was aus diesen Asmodiern geworden war. Wir mussten unsere Legionen schnellstmöglich mobilisieren und uns auf einen Krieg vorbereiten.

Allerdings hatte Aion noch eine weitere Prüfung, mit der unsere Entschlossenheit auf die Probe gestellt werden sollte: Es gab ein drittes stabiles Portal, das sich öffnete und ein altes Grauen entfesselte, von dem wir gehofft hatten, es nie wieder sehen zu müssen – die Balaur. Sie verloren nicht die geringste Zeit, um ihre Truppen zu mobilisieren, und riefen die Krall und die Mau zurück an ihre Seite. Schwächere Völker wurden unterjocht, und kämpfen nun an ihrer Seite. Die Balaur sind aggressiver als je zuvor, und wir sind es nun, die die volle Wucht ihres Zorns ertragen müssen.

Aber wir werden standhaft sein. Wir Elyos sind das Leuchtfeuer einer neuen Ära und das Versprechen auf eine bessere Zukunft. Wir sind das Leben und die Verkörperung der Lebensfreude. Doch seid gewarnt: Diejenigen, die versuchen, unser Licht zu ersticken, werden wir mit eiserner Faust hernieder strecken.

Trotz aller Entschlossenheit gibt es aber selbst von den Größten bis zu den Niedersten unseres Volkes nicht einen, der nicht auch von Zweifeln geplagt gewesen wäre. Stehen wir wirklich in der Gunst von Aion? Sind unsere Anführer wirklich tugendhaft und weise? Werden wir unser großes Ziel, alle Länder unter der erleuchteten Führung der Elyos zu vereinen, jemals erreichen? Sind wir wirklich besser als die Monster, gegen die wir kämpfen? Der tiefste und tückischste Zweifel von allen nagt am Kern unserer Mission selbst – sind wir im Recht?

Die stechenden Bisse des Gewissens, das in unseren Seelen wohnt, können nicht von der Kraft unserer Gedanken oder unseren Debatten abgestumpft werden. Sie erfordern einen Appell an den großen Geist. Einer alten Legende nach, die wahrscheinlich aus der Zeit der großen Katastrophe stammt, entschloss sich ein junger, von Zweifeln geplagter Elyos, Lady Ariel um Rat anzubeten. Ariel erschien ihm in einer Vision von anmutiger Herrlichkeit, legte ihre Hand auf seine Schulter und sprach drei einfache Worte:

‘Glauben und Krieg.’

Mögen alle jungen Elyos, die meine Worte lesen, sich diese Warnung zu Herzen nehmen. Streitet und quält einander nicht, sondern erhebt eure Waffen im Namen der Seraphengebieter, und stellt euch euren Feinden! Wenn wir gemeinsam in den Kampf ziehen, werden unsere Legionen im Lichte unseres glänzenden Stahls und der Liebe der Lady, die in unseren Herzen wohnt, erstrahlen … und alle Zweifel werden mit dem Morgentau verschwunden sein.

Der Glaube allein ist nicht viel mehr als Frömmigkeit, die Elyos sind aber sehr viel mehr als passive Märtyrer. Martialische Stärke ist ohne die leitende Hand der höheren Kräfte nichts weiter als nackte Brutalität – wie sie die Asmodier oder ruchlose, machtbesessene Kriegsherren an den Tag legen. Vereint unter dem heiligen Treuegelöbnis Elyseas haben wir es mit der kombinierten Stärke unseres Glaubens und unserer Waffen selbst in der Hand, unsere edle Vision zu bewahren und das Versprechen einer besseren Zukunft für alle einzulösen.

Wir schulden all jenen, die vor uns gegangen sind, so unglaublich viel. Unsere Welt, das Land in dem wir leben, hat von Siel und Israphel eine äußerst empfindliche Lebensader erhalten. Wir lebten in dem Glauben, dass diese Lebensader uns die Möglichkeit geben würde, unseren Sieg über den asmodischen Feind zu feiern, einen Feind, der es einst wagte, uns als Brüder und Schwestern zu bezeichnen. All dies sollte sich jedoch ändern, als wir durch eine Fügung des Zufalls eine furchtbare Entdeckung machen mussten …

Atreia stirbt. Unsere Welt blutet aus. Sie verliert durch den Abyss ständig an Äther, und wenn wir diese Blutung nicht kontrollieren, nicht aufhalten können, so wird diese Quelle des Lebens in Bälde erschöpft sein. Unsere Welt, die einzig und allein durch Siels und Israphels endgültiges Opfer zusammengehalten wird, würde einfach auseinander fallen, und die leblosen Hälften, die einst diesen großartigen Planeten formten, müssten für immer durchs All treiben. Sämtliches Leben würde im Handumdrehen ausgelöscht werden, und alles was wir erreicht, alles wofür wir so hart gearbeitet haben, wäre für immer verloren.

Unsere Priester und Theologen begannen fieberhaft, nach einer Lösung zu suchen. Und diese Lösung fanden sie auch.

Der Abyss ist das Echo des großen Turmes der Ewigkeit, der einst stolz in der Mitte unserer Welt stand. Seine Existenz verdankt er den immensen arkanen Kräften, deren gegenseitige Resonanz die zwei Reste des Turms wie die entgegengesetzten Pole eines gigantischen Magneten verbindet. Wenn es uns gelänge, den asmodischen Turm der Finsternis zu zerstören, so würde dieses Feld zusammenbrechen und den Abyss für immer schließen. Damit würden wir diese Welt nicht nur von ihrer dunklen und hässlichen Narbe befreien sondern könnten dabei auch unsere eigene Welt vor der Zerstörung bewahren. Unser Volk könnte endlich in Frieden in dem ewigen Paradies leben, das uns Aion beschert hat!

Dies ist unsere letzte Prüfung, die letzte Hürde, die wir noch nehmen müssen, bevor wir unsere wohlverdiente Belohnung ernten können. Wir müssen die Asmodier und ihre kümmerliche Welt vernichten. Wir müssen Atreia retten.

Glauben und Krieg!

- Rafaela Semperti.

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